Grundausbildung in Kiedrich

Ein Oldtimer erzählt…

Die Feuerwehr Erbach/Rheingau in den 60er/70er Jahren

Grundausbildung in Kiedrich

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts fingen die Feuerwehren im Rheingau an, ihre Männer nicht nur innerhalb der Wehr, sondern auch durch Lehrgänge auf Kreisebene auszubilden. Dies wurde zur Voraussetzung für die Ernennung zum Feuerwehrmann, so wie es bis heute ist.

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1970 fand im damals neu errichteten Gerätehaus der Kiedricher Wehr ein solcher Grundlehrgang statt und aus Erbach waren Georg Dahlen, Bernhard und Karlheinz Kohlhaas, Günter Massing, Albert Merz und der Verfasser dieser Zeilen vertreten. Unsere Ausbilder, allen voran Peter Fischer aus Kiedrich waren alle ehrenamtliche Kräfte, die über reichlich Erfahrung verfügten.

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Beim ersten Treffen wurde am Anfang erst einmal der Benjamin ermittelt: Wer sich für den jüngsten im Saale hielt, sollte sich melden. Zum Glück fand sich ein Kamerad aus Kiedrich, der noch jünger war als ich, und so wurde ihm die zweifelhafte Ehre zuteil, nach dem Unterricht die Stühle wieder ordentlich hinzustellen und die Aschenbecher sauber zu machen.

Richtig: Damals wurde im Unterricht geraucht!

 

 

Die Ausbildung war vor allem die klassische Formalausbildung nach FwDv 3 und der Ton war rau aber herzlich! Insgesamt hat es eine Menge gebracht, vor allem weil man sich auch mit den Kameraden anderer Wehren austauschen konnte.

Ein großes Thema waren damals die neuen Schirmmützen, die bis dahin den höheren Dienstgraden auf Kreisebene vorbehalten waren, aber einige wenige Feuerwehren, z. B. die Eltviller, hatten auch schon Schirmmützen für das Fußvolk, auf dem Gruppenfoto gut zu erkennen. Das gab dann später zu Hause nicht nur in Erbach Gesprächsbedarf und einige lebhafte Generalversammlungen!

Höhepunkt war natürlich jeden Tag das Mittagessen im Zehnthof; so große Schnitzel hatte ein armer Schüler wie ich bis dahin noch nicht zu Gesicht bekommen.

Wie auf dem Foto oben zu erkennen, wurde bei der Ausbildung auch unser guter alter Opel Blitz eingesetzt, der uns erst gegen Ende seiner Tage öfter einmal wegen seiner 6-Volt-Elektroanlage zum Anschieben aussteigen ließ.

Grundausbildung3Ein Erlebnis war auch die butterweiche Federung, die einen so manches Mal glauben ließ, dass wir es diesmal nicht um die Ecke schaffen würden.
Es ist aber immer alles gut gegangen. Hier ist er wenigstens teilweise zu sehen, neben ihm Karlheinz, Albert und Bernhard.

 

Zur Illustration hier ein baugleiches LF 8 aus Mittelheim. Bitte melden, wer noch ein schönes Foto von unserem Blitz hat!

Wenige erinnern sich, dass vor dem Opel Blitz ein noch älteres Fahrzeug existiert hat. Ich weiß noch, dass ich als Kind gestaunt habe, wie flink die damaligen Wehrmänner hinten (!) aus dem Fahrzeug sprangen, um es wieder anzuschieben, als es mal wieder vor der Bahnschranke ausgegangen war. Das war meine erste Begegnung mit der Erbacher Feuerwehr. So ein kräftiger Mann, der gut anschieben konnte, wollte ich auch einmal werden…

Das Fahrzeug war übrigens ebenfalls ein Opel Blitz (Cabrio!), ein ehemaliger Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei aus der Vorkriegs- oder frühen Nachkriegszeit, der auf Feuerwehrrot RAL 3000 umlackiert worden war. Die Tragkraftspritze mit Magirus- und später VW-Käfer-Motor wurde in einem Anhänger (TSA) hinten angehängt.

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Da keine Fotos vom „alten Blitz“ bekannt sind, hier zur Anschauung das Exemplar eines Sammlers aus Norddeutschland, Baujahr 1949.

 

Reinhard Groß